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Zukunft der Kultur

Sonntag, 19. Februar 2012 Ein Kommentar

Im November 2011 wurden die Ergebnisse einer Strukturanalyse der kulturellen Eigenbetriebe präsentiert. Verschiedene Zukunftsszenarien wurden dargestellt. Seit dem diskutiert Leipzig. Die Leipziger Volkszeitung bat für den 20. Februar 2012 die Fraktionen des Stadtrates um ein Statement von 35 Zeilen á 35 Zeichen. Ende März 2012 haben der Kreisvorsitzender der Leipziger FDP Holger Krahmer und der Vorsitzende der FDP-Fraktion im Leipziger Stadtrat Reik Hesselbarth 10 Thesen zur Zukunft der städtischen Spielstätten vorgestellt. Davon ausgehend hat die Stadtratsfraktion am 13. April 2012 einen Antrag in den Stadtrat eingebracht.

An dieser Stelle dokumentieren wir die Beiträge für Sie und wollen mit Ihnen darüber diskutieren. Nutzen Sie für Ihre Meinung die Kommentarfunktion am Ende der Seite.

Für freuen uns auf die Diskussion mit Ihnen.

 


 

20. Februar 2012:
Beitrag in der Leipziger Volkszeitung
Veränderungen ohne Spartenschließungen und Rasenmäher

Reiche Tradition und frische Dynamik machen Leipzig zu einer international anerkannten Kulturstadt, höchst lebendig durch viele engagierte Leipziger. Sinkende Solidarpaktmittel und im Vergleich geringe Steuereinnahmen gefährden den Kulturetat – ohne steigende Einnahmen wird er sinken müssen. Der Garant für Einnahmen ist Arbeit, geschaffen in Unternehmen und der Forschung. Unsere kulturelle Vielfalt kann Ansiedlungen positiv beeinflussen. Daher wollen wir das Kulturangebot erhalten, weder einzelne Sparten schließen noch mit dem Rasenmäher kürzen. Aber es braucht  Veränderungen. Wir schlagen die Zusammenlegung von Opern- und Schauspielverwaltung vor. Gleichzeitig wollen wir die drei Opernsparten (Oper, Ballet, Muko) am Augustusplatz bündeln. So wird das Haus besser ausgelastet und wir sparen Millionen für die Sanierung von Dreilinden. Tabu sind für uns die internationalen Aushängeschilder Thomaner und Gewandhaus.

Kultur muss breite gesellschaftliche Schichten ansprechen. Dies muss auch bei der Schauspiel-Intendantensuche berücksichtigt werden. Und wer auf breite Akzeptanz setzt, muss der Freien Szene endlich die 5% des Kulturetats geben.

 

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März 2012:
FDP Thesenpapier zur aktuellen Diskussion um die Perspektiven der Leipziger Kulturpolitik

Das Versprechen von Burkhard Jung, keine tiefgreifenden strukturellen Maßnahmen in der Leipziger Kulturlandschaft umzusetzen, zeugt von einer beispiellosen Mut- und Ideenlosigkeit. Diese wird darüber hinaus auch noch mit haushaltspolitischen Blankoschecks zu Lasten z.B. der dringend notwendigen Investitionen in Kitas und Schulen gedeckt.

Allein das Beibehalten der derzeitigen strukturellen Defizite der kulturellen Eigenbetriebe wird Leipzig in den nächsten 4 Jahren mindestens weitere 5 Mio. EUR kosten, ohne dass dabei in die Zukunft der Häuser investiert wird. Und diese Notlage wird umso härter als Bumerang zurückkehren, wenn die zusätzlich versprochenen Millionen aufgebraucht sind.

Wir dürfen darum jetzt die Chance nicht verpassen, die Weichen für eine zukunftsgerichtete Entwicklung der Häuser zu stellen, die weit in das nächste Jahrzehnt trägt und Leipzigs Ruf als Kulturstadt entwickelt.

Klar ist, dass einzelne Strukturmaßnahmen deutliche Einschnitte in das kulturelle Selbstverständnis unserer Stadt darstellen. Aber nur mit diesen werden wir langfristig für eine weiter gedeihende Kultur in Leipzig sorgen können.

Deshalb fordert die FDP Leipzig aufbauend auf ihrem kulturpolitischen Programm sowie dem ACTORI-Gutachten:

  1. Einen ehrlichen und transparenten Haushaltsplan, der nicht nur die laufenden Betriebskosten, sondern auch die notwendigen Investitionen in die Bestandsimmobilien berücksichtigt und über die nächste OBM-Wahl hinaus finanzierbar bleibt.
  2. Den Erhalt der Sparte Operette in einem Drei-Sparten-Haus „Oper Leipzig“.
  3. Die Stärkung des Opernhauses am Augustusplatz durch Konzentration aller drei Sparten der Oper Leipzig in diesem Haus.
  4. Prüfung, ob ein privater Investor ein Leipziger Musical- und Operettenhaus aufbauen und betreiben kann.
  5. Prüfung einer Fusion des Centraltheaters mit dem Theater der Jungen Welt (TDJW) zu einem Stadttheater für alle Generationen.
  6. Nutzung der Räumlichkeiten des TDJW als zweite regelmäßige Spielstätte des Centraltheaters.
  7. Stärkung des Gastspieletats des Gewandhauses Leipzig, um die internationale Bedeutung des Hauses weiter zu stärken.
  8. Umsetzung des Stadtratsbeschlusses vom 17. September 2008, der Freien Szene 5 % des städtischen Kulturetats zur Verfügung zu stellen.
  9. Unterstützung der Entwicklung eines Theaterhauses West im Zusammenschluss der Schaubühne Lindenfels, des LOFFT, des Westflügels sowie des Leipziger Tanztheaters am Standort Karl-Heine-Straße.
  10. Konzentration der Verantwortlichkeiten für die Leipziger Kulturpolitik bei dem hierfür bestellten und bezahlten Bürgermeister.

Die, im Zuge der Aufgabe des Hauses Drei Linden freiwerdenden Mittel, sollen zumindest teilweise in die inhaltliche Weiterentwicklung der Leipziger Kultur investiert werden und den Bestand des Gesamtangebotes über die nächsten 10 Jahre hinaus sichern.

 

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13. April 2012:
Antrag im Stadtrat
Maßnahmen zur langfristigen Sicherung und inhaltlichen Entwicklung der Leipziger Kultur

  1. Die Sparte “Operette” wird im Sinne der im sog. Actori-Gutachten vorgeschlagenen Maßnahme “Schließung der Spielstätte Musikalische Komödie” (nicht: “Schließung der Sparte Musikalische Komödie”) mittelfristig im Opernhaus am Augustusplatz konzentriert. Die Verwaltung erarbeitet hierfür ein Umsetzungskonzept und legt dies bis zum 30.06.2013 dem Stadtrat vor.
  2. Die Verwaltung erarbeitet ein Umsetzungskonzept für eine Verwaltungsfusion der Oper Leipzig mit dem Schauspiel Leipzig und legt dieses bis zum 30.06.2013 dem Stadtrat vor. Hierbei ist Beschlusspunkt 4 zu berücksichtigen.
  3. Die Verwaltung prüft, ob und unter welchen Voraussetzungen ein privater Investor ein Leipziger Musical- und Operettenhaus aufbauen und betreiben kann. Das Prüfergebnis wird dem Stadtrat bis zum 30.06.2013 vorgelegt.
  4. Die Verwaltung prüft die Möglichkeiten einer Fusion der Eigenbetriebe Schauspiel Leipzig und Theater der Jungen Welt (TDJW) zu einem Stadttheater für alle Generationen. In diesem Zusammenhang ist ebenfalls zu prüfen, inwieweit die Räumlichkeiten des TDJW als zweite regelmäßige Spielstätte des Centraltheaters genutzt werden können. Die Prüfergebnisse werden dem Stadtrat bis zum 31.12.2012 vorgelegt.
  5. Im Zuge der Realisierung der Maßnahmen 1, 2 und 4 erfolgt eine Stärkung der künstlerischen Etats aller kulturellen Eigenbetriebe – insbesondere des Gastspieletats des Gewandhauses Leipzig, um die internationale Bedeutung des Hauses weiter zu festigen.
  6. Die Stadt tritt in Gespräche mit Akteuren der Freien Szene ein mit dem Ziel der Anhandgabe des Hauses Dreilinden für kulturelle Projekte und/oder Initiativen.

Den gesamten Antrag inklusive umfangreicher Begründung finden Sie hier.

 

Was denken Sie? Wie können die – Stand Anfang 2012 – fehlenden 5,7 Mio. Euro pro Jahr im Kulturbereich ausgeglichen werden? Sollte mehr Geld bereit gestellt werden? Sollte noch weit stärker gekürzt werden? Diskutieren Sie mit uns.

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Ein Kommentar »

  • Gelbhaar, Jens sagt:

    Eine Schließung der “Musikalischen Komödie” geht, finde ich, in die falsche Richtung.
    Warum wollen Sie ein Theater mit einer sehr langen Tradition, einen überregionalen und sogar international sehr guten Ruf und die besten Auslastung der ganzen Spielstätten in ganz Leipzig hat, den Leipzigern und den Gästen der Stadt wegnehmen?
    Dieses Haus versteht sich als Volkstheater, was seinem Puplikum ALLER Altersschichten und Sozialschichten sehr gute und niveauvolle Unterhalten bietet.
    Natürlich muß Leipzig sparen – ohne Frage – aber warum an der falschen Stelle? Anstatt mit so einem Juwel zu punkten um Touristen nach Leipzig zu ziehen, wollen Sie dieses Haus schließen und der freien Szene überlassen wo auch bloß eine Teilsanierung notwendig ist, also auch in dieses Haus investiert werden muß.
    Die MuKo bietet ein breitgefächertes Repertoire an. Sollen etwa in der Oper Stücke aufgeführt werden wie zum Beispiel “Frau Luna”,
    “Im weißen Rössel”, “My Fair Lady”, “La cage aux folles” , um nur einige Beispiele zu nennen? Das wird nicht funktionieren, weil das Ensemble der Oper Leipzig nicht in der Lage ist solche oder ähnliche Stücke zu spielen. Nicht ohne Grund ist das Ensemble der Musikalische Komödie mit (Dresden) das letzte spezialisierte Theater für die Sparten Operette und Musical in ganz Deutschland.

    Und noch eine Anmerkung am Rande.
    Ich nehme an es hat einen Grund warum die Oper so wenig spielt.
    Es muß für neue Stücke oder Wiederaufnahmen geprobt werden, um ein hohes Niveau zu bieten und zum anderen braucht es vermutlich Zeit um die Dekoration aufzubauen.