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Standpunkt zur Einführung flexibler Zeitkarten bei LVB und MDV

Samstag, 10. April 2010

Die Situation:

Aktuell gibt es in Leipzig drei verschiedene Zeitkarten für den öffentlichen Nahverkehr:

  • die Tageskarte (für einen Kalendertag)
  • die Wochenkarte (für eine Kalenderwoche)
  • die Monatskarte (für einen Kalendermonat)

Im Gegensatz zu den anderen Verkehrsbetrieben in Sachsen und auch in vielen anderen Städten sind diese Karten nicht flexibel ab Entwertung gültig. Die Leipziger Verkehrsbetriebe (LVB) und der Mitteldeutsche Verkehrsverbund (MDV) beharrten bis jetzt auf ihren starren Karten. Dies hat zur Folge, dass nicht nur am Monatsanfang längere Schlangen beim Fahrkartenkauf entstehen, sondern auch, dass bei erst späterem Start die ungenutzten Stunden und Tage verfallen.

Unser Vorschlag:

Die FDP-Fraktion im Leipziger Stadtrat fordert die Einführung flexibler, idealerweise minutengenauer Zeitkarten, die ab Entwertung gültig sein sollen. Dies bedeutet:

  • Tageskarte: heute 7.52 Uhr entwerten, bis morgen 7.51 Uhr fahren
  • Wochenkarte: Mittwoch, 9.17 Uhr entwerten, bis zum nächsten Mittwoch, 9.16 Uhr fahren
  • Monatskarte: am 12. eines Monats 16.34 Uhr entwertet, bis zum 12. des nächsten Monats 16.33 Uhr fahren

Zusätzlich wollen wir eine 3-Tages- bzw. 72-Stunden-Karte einführen. Diese funktioniert nach dem gleichen Prinzip.

Damit bekäme Leipzig und die gesamte MDV-Region das wohl kundenfreundlichste und vor allem fairste Tarifangebot.

Darum das alles:

Der Nahverkehr wird jedes Jahr teurer. Das Tarifangebot wird aber nicht besser. Aufgrund mittlerweile flexibler Arbeits- und Freizeitwelten sind starre Zeitkarten nicht mehr auf der Höhe der Zeit. Auch der Nahverkehr muss sich daran anpassen. Er soll attraktiver werden, damit ihn mehr Menschen nutzen. Er soll aber nicht an Attraktivität gewinnen, weil andere Verkehrsmittel (bspw. das Auto) benachteiligt werden. Ein starker Nahverkehr macht einfach gute Angebote und gewinnt so von ganz allein Nutzer hinzu.

Heute sagen in einer Telefonumfrage einer Leipziger Zeitung 92% der Anrufer, dass sie flexible Tickets wollen. Bereits 2005 beschloss der Stadtrat eine entsprechende Initiative. Passiert ist bis heute jedoch nichts. Daher starten wir einen neuen Versuch. Und damit es diesmal klappt, soll es von LVB und Stadt zukünftig nur dann noch eine Zustimmung zu Preiserhöhungen geben, wenn die Tickets flexibler werden und die 72-Stunden-Karte kommt. Denn die neue Karte würde eine Angebotslücke schließen und den Nahverkehr für den Tourismus zu einer Alternative machen. Die meisten Gäste bleiben bekanntlich (leider) nur wenige Tage.

Ein weiteren Vorteil hätte unser System darüber hinaus: Da die Tickets alle erst mit Entwertung gültig werden, können bspw. Hotels die Fahrkarten bei sich vorhalten und sie als Service direkt an ihre Kunden verkaufen. Eventveranstalter könnten die Karten per Post schon im Vorfeld an ihre Gäste verschicken. Kurzum: Nicht nur die Laufzeit ist flexibler, der Einsatz ist es auch.

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