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Denken wir neu: Verkehrspolitik in Leipzig

Dienstag, 1. August 2017

In einem längeren Gespräch mit der Leipziger Volkszeitung skizzierten der Kreisvorsitzende der Freidemokraten Friedrich Vosberg sowie Stadtrat Sven Morlok aktuelle Gedanken innerhalb der Partei zur Verkehrspolitik in der Messestadt.

Für die Liberalen steht fest, dass einzelne Mobilitätsformen nicht gegeneinander ausgespielt werden dürfen: „Egal ob Auto, ÖPNV, Fahrrad oder Fußverkehr – alle brauchen gut ausgebaute Wege“, so Vosberg und Morlok unisono. In einer wachsenden Stadt wie Leipzig werde jedoch der Platz immer knapper – gerade in der Innenstadt werde dies zusehends zum Problem. Dies sehe man sehr deutlich an der Jahnallee. „Die ist ein echtes Nadelöhr und nicht selten für stockenden Verkehr bis zum Hauptbahnhof verantwortlich. Das ist ein klassischer Domino-Effekt: Wenn es an einer Stelle nicht fließt, entstehen Rückstaus. Die verstopfen andere Bereiche mit Auswirkungen auf noch ganz andere Ecken. Unser Ziel ist, dass der Verkehr fließen kann“, erläutern Vosberg und Morlok und ergänzen, dass hierfür eine Trennung unterschiedlicher Verkehrsarten ein möglicher Weg sei. „Wenn die Bimmel auf einem separaten Gleis am Autoverkehr vorbei fahren kann, wird der ÖPNV attraktiver. Gleichzeitig werden Autos nicht durch haltende Bahnen aufgehalten. Auch der Radler fühlen sich auf einer eigenen Spur sicherer – und bremsen dann auch keine Autos aus.“

Die Freidemokraten schlagen beim größten Nadelöhr (Jahnallee) vor, die Straßenbahn unter die Erde zu verlegen. Hierfür könne im Radstädter Steinweg der Fahrweg unter die Erde verlegt werden. Laut Sven Morlok braucht es dafür – anders als beim Citytunnel – keine unterirdische Bauweise. Vielmehr könnte in sog. Trogbauweise offen gearbeitet werden. „Für solche strategischen Investitionsprojekte gibt es Förderprogramme des Bundes, über die bis zu 90 Prozent der Kosten zur Verfügung gestellt werden“, so Stadtrat Sven Morlok.

Friedrich Vosberg betonte in diesem Zusammenhang, dass in der Jahnallee damit auch breitere Gehwege, die Anlage einer Radfahrspur oder echte straßenbegleitende Parkplätze möglich würden. „Wir wollen hier aber nichts vorwegnehmen, sondern die Bürger diskutieren und entscheiden lassen“, so der Freidemokrat. Einen besonderen Reiz hätte aus seiner Sicht ein möglicher Umbau des Waldplatzes: „Bislang ist es eine vom Verkehr umgebene Insel. Das muss nach einer Verlegung der Straßenbahnlinie 4 nicht so bleiben. Die Linie 4 würde durch die unterirdische Führung Waldplatz-Leibnitzstraße nicht mehr über die Jahnallee laufen, sondern bspw. über die jüngst barrierefrei umgebauten Halte Westplatz und Käthe-Kollwitz-Straße zum Goerdelerring geführt werden.

Die Haltestellensituation am Hauptbahnhof muss dringend verbessert werden. Dazu müssen Alternativen für den Individualverkehr geschaffen werden. Um das Umfahren der Innenstadt für den Durchgangsverkehr attraktiver zu machen, regte Vosberg und Morlok an, die vorhandenen Pläne für das sog. Tangentenviereck weiterzuverfolgen und die Nordtangente auszubauen. So kann der Autoverkehr durch eine Begradigung der S-Kurve an der Nordstraße deutlich flüssiger laufen. Dazu schließen die die beiden auch eine Tunnellösung im Bereich der Gerberstraße nicht aus. Damit würde auch ein Nadelöhr für den Radverkehr beseitigt werden.

„Das Auto können und wollen wir nicht verbieten. Aber wir wollen Anreize schaffen, dass der Autoverkehr nicht über den Hauptbahnhof laufen muss“, so die beiden Freidemokraten. So könne am Hauptbahnhof auch Platz für ein drittes Richtungsgleis für die Bimmel gewonnen werden. „Das ist nötig, um den Takt der Straßenbahnen weiter zu verdichten“, erläutert Morlok. Das sei nötig, um das zu erwartende Verkehrsaufkommen ab Mitte der 2020er Jahre bewältigen zu können.

Die Freidemokraten betrachten ihre gemachten Vorschläge „nicht als in Stein gemeißelt“, sondern vielmehr als erste Ideen für eine wachsende Stadt. „Wir wollen darüber mit den Menschen diskutieren. Wenn am Ende noch bessere Ideen entstehen, dann werden wir diese unterstützen. Aber es wird Zeit, dass wir den Herausforderungen offen und mutig begegnen – einfach um zu verhindern, dass Leipzig zur Staustadt wird.“

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