Home » Anfragen

Zoo Leipzig GmbH

Donnerstag, 4. April 2013

[Anfrage V/F 835]

Von mehreren gleichgeschlechtlichen Partnerschaften, die gemeinsam mit ihren Kindern den Zoo Leipzig besuchen wollten, wurde uns unabhängig folgender Sachverhalt geschildert:

Die Ausgabe einer Eltern-Kind-Karte wurde auf Nachfrage von den Kassiererinnen jeweils mehrmals mit den Worten “Wir haben die Weisung, Familienkarten nicht an gleichgeschlechtliche Partner mit Kindern zu verkaufen” verweigert. Es wurde auch nicht nachgefragt, ob es sich tatsächlich um Eltern mit ihren Kindern handelt. Auf weiteres Insistieren wurden die Paare jeweils an den Servicetresen im Safari-Büro verwiesen.

Von einem dortigen Mitarbeiter wurde dann jeweils an die Gruppenkasse in der Kongresshalle verwiesen. Dort – aber eben auch nur dort – würde man das Familienticket “selbstverständlich verkaufen”. Dies geschah auch – jedoch erst nachdem sich die Mitarbeiterin an der Gruppenkasse telefonisch nochmals rückversicherte, ob sie an gleichgeschlechtliche Paare mit Kindern auch wirklich die Familienkarte verkaufen dürfe. Auch diese Mitarbeiter erklärten auf Nachfrage, dass sie die Familienkarte nur mit ausdrücklicher Genehmigung und sonst nicht an gleichgeschlechtliche Paare mit Kindern verkaufen dürften.

Aus o.g. Ereignissen entsteht der Verdacht, dass es sich keinesfalls um Einzelfälle bzw. den Fehler einzelner Mitarbeiter handeln kann, sondern vielmehr um die systematische Umsetzung einer Weisung durch Ihre Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter.

Vor dem Hintergrund dieser Schilderungen fragen wir:

  1. Hat die Zoo Leipzig GmbH eine Weisung erlassen, die den Verkauf von Eltern-Kind-Karten an gleichgeschlechtliche Paare mit Kindern am allgemeinen Ticketserviceschalter untersagt und nur auf explizite Nachfrage und mit Einzelfallgenehmigung an der Gruppenkasse in der Kongresshalle erlaubt?
    Wenn nein: Warum wird dies von Mitarbeitern unabhängig an verschiedenen Tagen und Kassen so behauptet?
  2. Auf welcher Grundlage verkauft die Zoo Leipzig GmbH Eltern-Kind-Karten nur auf mehrfaches Verlangen und mit Einzelfallentscheidung an gleichgeschlechtliche Partner mit Kindern?
  3. Welches sind die Entscheidungskriterien für die Einzelfallentscheidung, ob einem gleichgeschlechtlichen Paar mit Kindern eine Eltern-Kind-Karte verkauft wird?
  4. In welcher Form wird bei einem heterosexuellen Paar mit Kindern, das eine Eltern-Kind-Karte erwerben möchte, sichergestellt dass es sich tatsächlich um die leibliche Mutter und/oder den leiblichen Vater der Kinder handelt? Welche Dokumente werden hierzu am allgemeinen Ticketverkauf zur Vorlage verlangt?
  5. Weshalb erfolgte der Verkauf der Familienkarte an gleichgeschlechtliche Paare an einer vom allgemeinen Ticketverkauf separierten Kasse in der Kongresshalle und nicht an einem normalen Ticketschalter vor dem Zooeingang?
  6. Inwiefern steht das Verhalten der Zoo Leipzig GmbH in Einklang zum einen mit den strategischen Zielen der Kommunalpolitik (Hauptziel “Familien mit Kindern”)  der Stadt Leipzig, sowie zum anderen mit den Worten des Bürgermeisters und Beigeordneten für Jugend, Soziales, Gesundheit und Schule, Prof. Dr. Thomas Fabian im aktuellen Familienbild der Stadt Leipzig, wo es heißt: “Wer Familien unterstützen möchte, muss auch die zunehmende Vielfalt der Familienformen im Blick haben. Neben die klassische Kernfamilie aus einem Ehepaar mit minderjährigen Kindern sind heute viele andere Familienformen wie Patchworkfamilien, Alleinerziehende, eheähnliche oder gleichgeschlechtliche Lebensgemeinschaften mit Kindern getreten.”
  7. Auch andere kommunale Unternehmen und Einrichtungen wie bspw. Sport- und Freibäder bieten ähnliche Eintrittskarten für Familien an. Wie erfolgt dort jeweils der Umgang mit gleichgeschlechtlichen Paaren mit Kindern?

Für die Fragen 1 bis 6 bitten wir um mündliche und für Frage 7 um schriftliche Beantwortung.

(Die Beantwortung erfolgt im Zuge der Ratsversammlung am 17.04.2013.)

Tags: ,