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Barrierefreie Wohnungen in Leipzig

Mittwoch, 4. September 2013

[Anfrage V/A 921]

In der DIN-Norm DIN-18025 sind Regelungen für Anforderungen an barrierefreies Wohnen definiert: Im Teil 1 unter Berücksichtigung von Rollstuhlfahrern und im Teil 2 für weiteres barrierefreies Wohnen.

Hierzu fragen wir:

  1. Wie viele Wohnungen im Bestand der LWB entsprechen der DIN-18025-1 sowie der DIN-18025-2 jeweils?
  2. Auf wie viele Wohnungen schätzt der Oberbürgermeister den stadtweiten Bestand von Wohnungen, die diesen Normen entsprechen?
  3. Sofern es eine Konzentration des Angebotes auf bestimmte Stadtteile gibt: Welche sind dies?
  4. In welchem Umfang plant die LWB die Einrichtung (gleich ob Um- oder Neubau) entsprechender barrierefreier Wohnungen?
  5. Sind dem Oberbürgermeister Bestrebungen zur Einrichtung von barrierefreien Wohnungen bei privaten Vermietern in den kommenden Jahren bekannt? Wenn ja: In welchem Umfang?

[Die Anfrage wurde beantwortet durch das Dezernat Jugend, Soziales, Gesundheit und Schule]

 

1. Wie viele Wohnungen im Bestand der LWB entsprechen der DIN-18025-1 sowie der DIN-18025-2 jeweils?

Für die barrierefreie Planung, Ausführung und Ausstattung von Wohnungen, Gebäuden mit Wohnungen und deren Außenanlagen, die der Erschließung und wohnbezogenen Nutzung dienen, gilt die DIN 18040-2 „Barrierefreies Bauen – Planungsgrundlagen – Teil 2: Wohnungen“ aus dem Jahr 2011. Sie ersetzt die DIN 18025-1 und 2.

Die Anforderungen an die Infrastruktur der Gebäude mit Wohnungen berücksichtigen grundsätzlich auch die uneingeschränkte Nutzung mit dem Rollstuhl.

Innerhalb von Wohnungen wird unterschieden zwischen:

barrierefrei nutzbaren Wohnungen [mit eingeschränkten Bewegungsflächen für Rollstuhlfahrer aber ansonsten barrierefrei für alle anderen Behinderungsarten, u.a. schwellenlos]

barrierefrei und uneingeschränkt mit dem Rollstuhl nutzbaren Wohnungen.

Eine Auswertung des LWB-Bestandes hinsichtlich der DIN-Norm 18040-2 und ihrer Vorgänger DIN 18025-1 und 2 wird nicht geführt. Die LWB verfügt über ca. 100 Wohnungen, die auf die Nutzung durch Rollstuhlfahrer zugeschnitten sind. D.h. sie verfügen über Rampen im Eingangsbereich, einen barrierefreien Zugang zur Wohnung, niedrige Sanitäreinrichtungen, eine ebenerdige Dusche, keine Schwellen in der Wohnungen, Umstiegs- und Abstellmöglichkeiten vom/für den Rollstuhl und ausreichende Bewegungsflächen.

2. Auf wie viele Wohnungen schätzt der Oberbürgermeister den stadtweiten Bestand von Wohnungen, die diesen Normen entsprechen?

Die amtliche Statistik weist dazu keine Zahlen aus. Da die Zahl der DIN-gerechten Wohnungen auch im Rahmen des Baugenehmigungsverfahrens in den letzten Jahren nicht erhoben wurde, kann keine Schätzung abgegeben werden. Im Gutachten, das als Grundlage für die Erarbeitung des Wohnungspolitischen Konzeptes 2009 erstellt wurde, wird die damalige Einschätzung der Stadtverwaltung wiedergegeben: „Es gibt insgesamt zu wenig Wohnungen gemäß DIN 18025, Teil 1 [betrifft Wohnungen für Rollstuhlnutzer], mit einem Defizit besonders im mietpreisgünstigen Segment“. Dies trifft nach Ansicht der Verwaltung auch heute noch zu. Bis 2004 waren u.a. mit Fördermitteln der Stadt Leipzig 248 Wohnungen barrierefrei für Rollstuhlnutzer umgebaut worden.

 3. Sofern es eine Konzentration des Angebotes auf bestimmte Stadtteile gibt: Welche sind dies?

Da der Bestand an barrierefreien Wohnungen nicht statistisch erfasst wird, kann dazu keine exakte Aussage getroffen werden. Es ist aber davon auszugehen, dass das Angebot dieser Wohnungen in den Ortsteilen überdurchschnittlich hoch ist, in denen es einen hohen Anteil von nach 1990 errichteten Geschosswohnungsneubau bzw. mit Fahrstuhl ausgestattetem DDR-Wohnungsbau gibt. Dies bestätigt auch die Behindertenstatistik.

Sie weist aus, dass Schwerbehinderte mit außergewöhnlicher Gehbehinderung [Rollstuhlfahrer] vornehmlich in den Stadtteilen Grünau und Paunsdorf leben.

4. In welchem Umfang plant die LWB die Einrichtung (gleich ob Um- oder Neubau) entsprechender barrierefreier Wohnungen?

Bei Neubaumaßnahmen schafft die LWB mindestens so viele barrierefreie Angebote, wie es die Sächsische Bauordnung unter § 50 Abs. 1 vorgibt. Das heißt: in einem Mehrgeschosshaus werden in mindestens einem Geschoss barrierefreie Wohnungen bereitgestellt.

Da die Barrierefreiheit generell eine höhere Flexibilität der Nutzung ermöglicht, hat die LWB ein grundsätzliches Interesse daran, eine größtmögliche Barrierefreiheit in ihren Neubauprojekten zu gewährleisten.

Die LWB prüft bei jeder Sanierung, welche Maßnahmen ohne größere Eingriffe in die Bausubstanz und zu wirtschaftlich vertretbaren Kosten möglich sind. Besonderes Anliegen der LWB ist es, dass Mieter so lange wie möglich selbstbestimmt in ihren eigenen Wohnungen leben können. Ihre Hilfeangebote richtet die LWB hierbei in erster Linie an den Bedürfnissen und finanziellen Möglichkeiten ihrer Mieter aus. Die Einhaltung von DIN-Normen ist in der Regel aufgrund technischer und wirtschaftlicher Sachverhalte nicht möglich. Häufig sind es schon kleinere Veränderungen im Wohnbereich, die für die Mieter wesentliche Verbesserungen bewirken.

Individuelle Umbauarbeiten in Wohnungen werden auf Anfrage – in Abhängigkeit von den baulichen Möglichkeiten und den hiermit verbundenen Kosten – in Abstimmung mit den Mietern vorgenommen.

5. Sind dem Oberbürgermeister Bestrebungen zur Einrichtung von barrierefreien Wohnungen bei privaten Vermietern in den kommenden Jahren bekannt? Wenn ja: In welchem Umfang?

Da nach Sächsischer Bauordnung beim Neubau von Mehrfamilienhäusern ein Anteil barrierefreier Wohnungen erforderlich ist, werden barrierefreie Wohnungen in den nächsten Jahren vor allem im Zuge von Neubauvorhaben entstehen. Das betrifft insbesondere die großen Entwicklungsflächen am Bayrischen Bahnhof und Lindenauer Hafen, aber auch kleinere Lückenschließungen im gesamten Stadtgebiet.

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