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Gespräche statt Broschüren

Samstag, 24. September 2011

[von Dr. Arnd Besser, Stadtrat]

Dass in den Kindertagesstätten unserer Stadt die Kleinen regelmäßig untersucht werden, ist eine richtige wie wichtige Maßnahme. So werden Auffälligkeiten auch bei denjenigen Kindern erkannt, deren Eltern die freiwilligen Vorsorgeuntersuchungen beim Hausarzt nicht in Anspruch nehmen.
Der Stadtrat hat nun entschieden, für die Information der Eltern neue Broschüren aufzulegen – in sogenannter leichter Sprache. Dabei wird auf komplizierte Erklärungen mit Fachvokabular verzichtet und stattdessen sehr einfach dargestellt, was bestimmte Befunde bedeuten und was man als Eltern nun tun kann. Eine gute Idee – sollte man meinen.
Ich glaube jedoch, dass diejenigen Eltern, an die sich die Broschüren richten, auch damit wenig anfangen werden. Als Mediziner weiß ich: Keine Broschüre – und sei sie auch noch so verständlich geschrieben – ersetzt das persönliche Gespräch. Befunde lassen sich nicht standardisiert erklären. Auf individuelle Fragen bieten Broschüren häufig keine Ant-wort. Darüber hinaus kann ein Arzt im Gespräch auch aktivierend auf Eltern einwirken, einen Facharzt hinzu zu ziehen. Das halte ich angesichts zahlreicher Eltern, die den Befunden kaum Aufmerksamkeit widmen, für die zentrale Herausforderung. Broschüren entlassen die Stadt dabei nur aus ihrer Verantwortung für die Kinder. Und das ist der falsche Weg.

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