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Reik Hesselbarth zur Erklärung des Schauspielintendanten

Donnerstag, 15. September 2011

Am 14. September erklärte der Intendant des Schauspiel Leipzig Sebastian Hartmann, seinen Vertrag, der nach der Spielzeit 2012/2013 endet, nicht verlängern zu wollen. Vor diesem Hintergrund bat die Leiziger Internetzeitung unseren Fraktionsvorsitzenden Reik Hesselbarth um ein Statement. Die Fragen stellte Daniel Thalheim.

Leipziger Internetzeitung: Skadi Jennicke vermutet, der Intendant wollte einer Stadtratsentscheidung zuvor kommen. Wie schätzen sie Hartmanns Weggang angesichts seiner Intendanz ein?

Reik Hesselbarth: Mit ihren parteipolitisch geprägten Spekulationen tut Frau Jennicke, Stadträtin der Linksfraktion, dem Kulturstandort Leipzig keinen Gefallen. Die Entscheidung von Sebastian Hartmann ist wie sie ist und wir sollten sie akzeptieren. Es liegt nun in der Verantwortung von Oberbürgermeister Burkhard Jung dem Stadtrat einen Vorschlag für das nun folgende Verfahren zu machen. Dabei sollten wir jedoch das aktuell laufende Strukturgutachten zu Leipzigs kulturellen Eigenbetrieben abwarten. Ebenfalls nötig ist eine breite öffentliche Diskussion zur Positionierung des Schauspiels. Schließlich ist es ein Sprechtheater für Leipzigerinnen und Leipziger, welches mit zum Großteil durch Steuergeld finanziert wird. Hierbei wird die Frage der Zielgruppe des Schauspiels eine nicht unwichtige sein.

Leipziger Internetzeitung: Hartmann hinterlässt mit seiner Arbeit als Regisseur geteiltes Echo bei seinen Kritikern. Welche Bilanz hat er als Intendant hingelegt?

Reik Hesselbarth: Bei der Frage nach einer Bilanz wird schnell nur auf seine Inszenierungen geguckt und schnell nur anhand des eigenen Geschmacks bewertet. Leicht vergessen wird, was eine zentrale Aufgabenstellung des damaligen Stadtrates an Hartmann war: Verjüngung des Publikums. Diese Aufgabe hat er erfüllt. Dennoch sind dabei andere Punkte auf der Strecke geblieben. So sind die Besucherzahlen sicher nicht so, wie sie sich viele gewünscht haben. Man muss sich aber auch kritisch selbst fragen, ob alle Anforderungen, die man an das Schauspiel und seinen Intendaten hatte und hat, zusammen erfüllbar sind.

Leipziger Internetzeitung: Welches Signal sendet Hartmann nach Leipzig mit seinem Hut-nehmen aus ihrer Sicht?

Reik Hesselbarth: Hut-nehmen klingt nach schnellem Bühnenabgang. Das ist es aber nicht. Sebastian Hartmann verlängert seinen Vertrag nicht und bleibt daher bis zum Ende der Spielzeit 2012/2013 verantwortlich. Ich will auch gar nicht nur zurückblicken. In aller Ruhe und mit aller Sachlichkeit sind gerade die Stadträte gefordert, ausgehend von den Strukturuntersuchungen ein Anforderungsprofil für die Ausrichtung des Schauspiels und einen neuen Intendaten zu definieren. Dabei sollte allen klar sein, dass wir dann gemeinsam auch dazu stehen müssen. Das vermisse ich bei einigen, die den Vertrag mit Hartmann seinerzeit beschlossen haben. Ich appelliere an alle Akteure in unserer Stadt – insbesondere an meine Kollegen Stadträte – die Diskussion über die neue Intendanz am Schauspiel fair zu führen. Kultur taugt nicht für ideologische Grabenkämpfe und parteitaktische Spielchen.

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